Neuigkeiten/Presse

Zum täglichen Brot kommt nun frische Kost

Erstellt am 02 Jun 2009 um 08:22
Neuigkeiten/Presse >>

Das Darmstädter Echo vom 21.04.2009 über die Tafel:

In den Regalen lagern Salate, Paprika, Tomaten und andere gesunde Nahrungsmittel. „Die Menschen, die sich hier versorgen, bekommen nicht nur ihr tägliches Brot, sondern auch täglich frisches Gemüse“, sagte Sozialdezernent Jochen Partsch, als die Darmstädter Tafel am Montag ihr Gemüsehaus offiziell einweihte. Auf 25 Quadratmeter bietet es frischen Lebensmitteln ebenso ausreichend Platz wie jenen Obdachlosen und anderen Bedürftigen, die sich dort täglich bedienen.

Für sechzig bis einhundert Menschen ist die Bismarckstraße 100 Tag für Tag eine feste Adresse. Ab 8 Uhr hat die Tafel, die vor genau einem Jahr von der Pallaswiesenstraße in den Altbau nahe der Berufsfeuerwehr umgezogen ist, geöffnet, um 12 Uhr gibt es im 135 Quadratmeter großen Erdgeschoss Mittagessen. Doris Kappler, Initiatorin und Vorsitzende der 1995 gegründeten Darmstädter Tafel, berichtet, dass Menschen jeden Alters das Angebot nutzten: Obdachlose, aber auch viele ältere Rentner, die wenig Geld hätten – und inzwischen auch deutlich mehr Frauen als früher. „Da waren die Männer fast unter sich, heute haben wir etwa 30 Prozent Frauen“, sagt Kappler.

Die Vorsitzende schildert, dass es aktuell 70 feste Spender gebe; allesamt Geschäfte und Firmen, die überschüssige Lebensmittel für einen guten Zweck abgeben. „Wir sind gut bestückt“, würdigt Kappler das Engagement und erwähnt im nächsten Atemzug auch die vielen Spender, die dem Verein finanziell unter die Arme greifen. Nur deshalb war es möglich, das neue Gemüsehaus zu verwirklichen: 25 000 Euro hat es gekostet, bis alles perfekt war. Dass es perfekt sein muss, liegt unter anderem an den Hygiene-Vorschriften. Kappler: „Der Boden muss abwischbar sein.“

Sozialdezernent Partsch dankte den Spendern ebenso wie den 25 Ehrenamtlichen des Vereins, ging kurz auf den Umzug vor einem Jahr ein („Das ist gut gelöst worden“) und ließ wissen, dass die in den USA geborene Idee, Bedürftige mit überschüssigen Lebensmitteln zu versorgen, in Deutschland inzwischen 800 Nachahmer gefunden habe. Das zeige freilich auch, „dass die soziale Schieflage größer geworden ist“. Die Tafel-Bewegung sei die größte Bürgerbewegung in Deutschland, eine Million Bedürftige und Arme würden auf diese Weise versorgt. Keinem einzigen falle „die Veröffentlichung der eigenen Armut“ leicht, meinte Partsch und fügte hinzu: „Das ist kein Ruhmesblatt für den Sozialstaat.“

Unter den Gästen bei der Einweihung des Gemüsehauses war auch der vierzehnjährige Konstantin Kunisch. Er besucht die Waldorfschule und hatte sich in der Jahresarbeit in Klasse acht mit seinem Hobby, dem Kochen, befasst. Daraus ist ein Büchlein entstanden: „Kochen mit Herbstgemüse“. Vor dieser Jahreszeit kommt zwar noch der Sommer, doch das tut der guten Absicht, mit der Konstantin und seine Mutter gekommen waren, keinen Abbruch. Der Jugendliche, der mit seinem Vater gern in der Küche steht und am liebsten gefüllte Zucchini mag, hat den Erlös des bisherigen Verkaufs der Bücher – 500 Euro – der Tafel gespendet. Konstantin: „Ich habe von der Arbeit des Vereins gelesen und das passt ja gut zum Buch.“

Zurück