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Warmes Essen und zweites Zuhause

Erstellt am 07 Oct 2014 um 09:34
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Über 900 Tafeln gibt es inzwischen in Deutschland. Mit einem Aktionstag präsentierten sich die karitativen Einrichtungen am Samstag in der Öffentlichkeit – so auch in Darmstadt am Weißen Turm.

Neben dem Weißen Turm hängt ein Schild: „Um den Abwasch wird nie gestritten, wenn es nichts zu essen gibt.“ Dort bietet die Darmstädter Tafel – ansonsten in der Bismarckstraße zuhause – Erbsensuppe an. Es ist der Samstag vor Erntedank, an dem zum achten Mal der Deutsche Tafeltag begangen wird. Viele der 900 Einrichtungen in Deutschland engagieren sich mit Aktionen, um ein Zeichen gegen Armut und Lebensmittelverschwendung zu setzen.

„Wir sind inzwischen ein kleines logistisches Unternehmen“, sagt Gert Wentrup, der Vorsitzende des Darmstädter Tafelvereins. Die Aufgaben sind das Einsammeln, die Zubereitung und die Ausgabe; zwei Kühlautos stehen zur Verfügung, um die Nahrung von den umliegenden Großmärkten abzuholen. Was die Tafelhelfer mitnehmen, würde andernfalls im Müll landen.

Mehr als fünfhundert Menschen versorgen sich jede Woche in der Tafel; Wentrup rechnet vor, dass so bis zu tausend von der Tafel profitieren. Benötigt wird zur Abholung ein Ausweis, die meisten der Gäste sind Empfänger von Sozialhilfe und zunehmend Flüchtlinge. 50 bis 60 Euro können die Personen, die am Existenzminimum leben, wöchentlich sparen, schätzt Gert Wentrup. Während einige der Kunden sehr zurückhaltend und zuweilen schamhaft sind, bringen andere regelrecht Forderungen vor. „Aber wir sind immer noch Ehrenamtliche“, sagt Wentrup, „und keine Unterorganisation des Arbeitsamts.“

Das Personal des Vereins setzt sich aus Ehrenamtlichen, Absolventen eines Bundesfreiwilligendienstes und Ein-Euro-Jobbern zusammen. Ein hauptamtlicher Mitarbeiter koordiniert die Abläufe. Doch nicht jeder findet die Tafelrunde ritterlich. Kritische Meinungen wie die, dass Tafeln sozialpolitisch kontraproduktiv seien, sind Wentrup nicht fremd. „Es fragt schon mal jemand, ob wir die Leute denn aus ihrer Situation herausbringen. Aber damit wären wir überlastet.“

Für ihn nutzt es allerdings nichts, sich hinter Parolen wie „Der Staat müsste was machen“ einzuigeln. „Ehrenamt greift da, wo der Staat überfordert ist“, findet Wentrup. So werde die Tafel für einige Besucher, die seit Jahren auf die Hilfe angewiesen sind, auch zum sozialen Umfeld, zum zweiten Zuhause. 

Artikel aus Darmstädter Echo vom 06.10.2014

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