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Die Tafel wird immer größer

Erstellt am 16 Apr 2008 um 18:09
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Quelle : Echo Online vom 08.09.2007 (mit Bild)

Doris Kappler ist bekennende Darmstädterin: „Ich bin mit Woogswasser getauft, wie man so schön sagt.“ Darum ist es für sie selbstverständlich, sich für die Menschen ihrer Stadt zu engagieren. Als sie vor zwölf Jahren eine Reportage im Südwestfunk über die Berliner Tafel hörte, wusste sie gleich: „Das wäre auch etwas für Darmstadt.“

Die Idee, Bedürftige mit Lebensmitteln zu versorgen, hatte sie gleich begeistert. „Da ich selbst zur Nachkriegsgeneration gehöre, wusste ich noch zu genau, wie das ist, wenn man nichts zu essen hat“, erklärt sie.

Mit vier engagierten Mitstreitern gründete sie 1995 die Darmstädter Tafel. Anfangs sammelte die Gruppe Backwaren bei den umliegenden Bäckereien und verteilte die an Bedürftige. Kurz darauf entstand der Wunsch, auch eine eigene Suppenküche einzurichten. Auf zwei Herdplatten in einem kleinen Raum begannen sie, mittags Suppen zu kochen. „Das war so furchtbar provisorisch, das musste ja schief gehen“, sagt sie heute.

Die Suppenküche wurde kurz darauf wieder geschlossen, die Stadt bot den Tafel-Mitgliedern jedoch ein Gebäude in der Pallaswiesenstraße an, in dem der Verein noch heute heimisch ist.

Seit dem Umzug 1998 hat sich dort viel getan: Zusätzlich zu der täglichen Lebensmittelausgabe, können die Armen immer freitags im eigens eingerichteten Laden, gegen einen symbolische Gebühr von einem Euro, einkaufen. Von montags bis freitags bietet der Verein eine kostenlose warme Mittagsmahlzeit an, bestehend aus Suppe, Salat, einem Hauptgericht und Kuchen als Nachspeise.

Das Team besteht mittlerweile aus einer hauptamtlichen Geschäftsführerin, einem Zivildienstleistenden und ungefähr 22 ehrenamtlichen Helfern, die sich die tägliche Arbeit teilen. Die Lebensmittel bekommt die Tafel von zahlreichen Sponsoren aus Darmstadt und der Umgebung zur Verfügung gestellt.

Dass sich auch die Bedürftigen selbst engagieren und beim Einsammeln des Essens und beim Kochen helfen, freut Doris Kappler besonders: „Das zeigt, dass sie unsere Arbeit wertschätzen.“

Die Tafel öffnet bereits frühmorgens um acht Uhr. Bis 13.30 Uhr können sich die Mittellosen dort versorgen. Meist komme viel Stammkundschaft – Menschen aus 17 Nationen. „Da braucht man teilweise ganz schönes Durchsetzungsvermögen“, erzählt die engagierte Frau. Vor allem, da die Räumlichkeiten in der Pallaswiesenstraße mittlerweile zu klein sind.

„Es kommen immer mehr Bürger, die auf unsere Hilfe angewiesen sind“, sagt sie, „in letzter Zeit auch vermehrt Kinder.“ Rund 70 Personen durchschnittlich seien es zum Mittagstisch. „Anfangs des Monats sind es etwas weniger, aber gegen Ende können wir oft mit 120 rechnen“, sagt sie. Um dieser Menge gerecht zu werden, sucht sie nun händeringend nach neuen Räumen, auch da das Gebäude in zwei Jahren der Abrissbirne zum Opfer fallen soll.

Zwei Objekte habe sie in Aussicht, „doch wie sollen wir da die Miete finanzieren“, fragt sie kopfschüttelnd. Hilfe erhofft sich die Sechsundsechzigjährige, die selbst vier Jahre im Darmstädter Stadtparlament war, von der Stadt. „Wenn wir in den nächsten zwei Jahren nichts finden, sehe ich schwarz, dann müssen wir den Verein auflösen und die Tafel schließen“, erzählt sie und wundert sich im nächsten Moment selbst über ihre pessimistischen Gedanken.

Aufgeben liegt der ehemaligen Galeristin nicht. „In den neuen Räumen hätten wir Platz für eine Kindertafel.“ Manche Eltern hätten nicht genug Geld, um in der Schule ein Mittagessen zu zahlen. Kindgerechtes Essen mit anschließender Hausaufgabenbetreuung, der Möglichkeit zu musizieren oder zu Werken schwebt ihr da vor. „Das ist momentan nur eine Vision, aber die Tafel ist ja auch aus einer Vision entstanden.“
 

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